Wie hoch ist mein Marktwert? – Wieviel Gehalt Sie bei einem Wechsel verlangen können und warum Ihnen Gehaltstabellen im Netz nicht weiterhelfen

Sie sind gerade am Bewerben und fragen sich, wieviel Gehalt Sie verlangen sollen. Sie reden mit Kollegen. Schauen sich die Angaben in Jobinseraten und Gehaltstabellen im Netz an.

Aber wirklich schlau werden Sie daraus nicht.

Wie hoch ist eigentlich mein Marktwert?“ - In den letzten 20 Jahren hab ich diese Frage sicher 1000 mal beantwortet.

Kein Wunder, denn gleich vorweg:

Die Sache ist kompliziert.

Den einen Marktwert gibt es nicht

Egal, was Sie beruflich machen, wieviel Erfahrung und welche Ausbildung Sie haben. Sie haben niemals bloß einen Marktwert. Ihr Marktwert variiert von Firma zu Firma. Und zwar beträchtlich.

Nehmen wir an, Sie kommen aus dem Prozessmanagement in einem Handelskonzern, wo mit SAP gearbeitet wird. Dann haben Sie bei einem anderen Handelskonzern, wo auch SAP im Einsatz ist, einen sehr hohen Marktwert. Dafür aber einen niedrigen in einer mittelständischen Privatbank, die mit einem System arbeiten, von dem Sie keinen Schimmer haben.

Grundregel 1: Je mehr Überschneidung in Branche/Unternehmensgröße/-struktur und verwendeten Systemen, desto höher Ihr Wert für das jeweilige Unternehmen

Die Überschneidung bestimmt den Wert

Ihr Marktwert ist auch umso höher, je mehr sich Ihre Berufserfahrung mit der Jobdescription der angestrebten Stelle deckt. Machen Sie also z.B. genau dasselbe im aktuellen Job oder überhaupt seit 10 Jahren nichts anderes, ist Ihr Marktwert hoch.

Wohingegen Ihr Marktwert als QuereinsteigerIn niedrig ist. Vermutlich liegt er sogar unter dem, was Sie in Ihrem derzeitigen Job verdienen.

Ungerecht finden Sie? Weil: Sie können ja alles lernen? - Sorry, aber 90% der Männer denken das von sich 🙂

Aber auch wenn Sie recht haben sollten, warum sollte eine Firma einem, der alles erst lernen muss, vom Start weg ein Gehalt zahlen soll wie jemanden, der das alles bereits kann?

Grundregel 2: Je mehr Überschneidungen bei der Aufgabenbeschreibung desto höher ist Ihr Marktwert.

Ein Jobwechsel zahlt sich finanziell immer aus!- Ach ja?

Die oft kolportierte Regel, dass man bei jedem Wechsel ohne hierarchischen Aufstieg auf das aktuelle Gehalt 10% drauflegen sollte, stimmt grundsätzlich.

Aber eben auch nicht generell.

Weil sich nämlich die Gehaltsschemata von Unternehmen zu Unternehmen stark unterscheiden. Und wenn es etwas gibt, was Unternehmen höchst ungern machen, dann ist das ein Gehaltsschema aufzubrechen. Weil das bedeutet, auch andere oder sogar alle MitarbeiterInnen anheben zu müssen.

Oft werde ich gefragt, welches Gehalt denn „in dieser Branche“ oder "in der Region" üblich ist. Aber auch innerhalb einer Branche oder Region variieren die Gehälter von Firma zu Firma beträchtlich.

Das selbe bei der Unternehmensgröße. Es gibt Konzerne mit hohen Gehältern und solche, die locker vom Mittelstand abgehängt werden.

Das bedeutet: Wenn Sie in einer Firma sitzen, die Gehälter weit über dem Durchschnitt zahlt, kann es sein, dass Sie bei einem Wechsel Federn lassen müssen. Arbeiten Sie hingegen in einem Unternehmen, das unterdurchschnittlich zahlt, sollten Sie einen deutlich größeren Gehaltssprung als nur 10% anpeilen.

Gehaltsangaben in den Jobinseraten

Grundsätzlich gilt: Inserate, in denen nur das Mindestgehalt angegeben ist, liefern keinen Hinweis auf die tatsächliche Gehaltshöhe. Die entsprechen zwar den gesetzlichen Mindestanforderungen in Österreich, Sie haben aber keine Chance herauszulesen, ob mit der in Aussicht gestellten „Überzahlung“ 300, 3000 oder 30 000€ gemeint sind.

Mehr Orientierung bieten Inserate, die eine Gehaltsspanne angeben. Allerdings, Vorsicht! Vor allem Männer neigen dazu, sich selbst automatisch an der Oberkante zu verorten. Ich hab keine Ahnung, welche Verdrahtung in Männergehirnen dafür verantwortlich ist 😉
Was ich aber sagen kann: die Oberkante ist für Wunderwuzzis. Für diejenigen, die Plug&Play bieten können.

Deutlich überdurchschnittliche Gehälter sind oft ein Warnsignal

Ich kenne den Arbeitsmarkt und die Unternehmen, speziell in Salzburg und Oberösterreich sehr gut. Ich weiß, wer seinen MitarbeiterInnen ein tolles Betriebsklima bietet und wer einfach nur viel Geld ins Employer Branding steckt.

Und was ich sicher sagen kann: die besten Firmen zahlen selten mehr als Durchschnittsgehälter.

Und die Firmen, die bedeutend mehr zahlen, sind oft die, wo die eigenen Mitarbeiter nicht ganz zu Unrecht von „Schmerzensgeld“ sprechen.

Better call Ines!

Wenn Sie wissen wollen, ob eine Bewerbung auf ein bestimmtes Inserat für Sie finanziell Sinn macht und was Sie im Gespräch verlangen können, mailen Sie mir Ihren CV und den Link zu der Stelle, für die sie sich bewerben und dann kann ich Ihnen ziemlich sicher sagen, welches Gehalt Sie fordern bzw. realistischerweise erwarten können.

Ines Schöffmann

Headhunterin, Personalberaterin, Bewerbungscoach, Texterin