Size matters! – Let´s talk about Bewerbungsfotos

Vor ca. 20 Jahren hab ich in einer Personalberatung in Salzburg gearbeitet. Wir waren da ausschließlich Mädchen. Eine lustiger als die andere. Bewerbungsfotos von attraktiven Kandidaten haben wir ausgeschnitten, auf einer eigenen Pinwand gesammelt und uns täglich in der Früh davor verneigt. Unsere „Hall of Fame“.

Und natürlich haben wir attraktive Bewerber IMMER eingeladen. Völlig wurscht ob qualifiziert oder nicht 😀

Bewerbungsfotos sind damals Passfotos. Nicht sehr aufregend, aber immerhin vom Fotografen.

Hall of shame

Dann irgendwann beginnt der Siegeszug der Digitalfotografie.

Nun steht da der Bewerber in Anzug und Krawatte vor einem Busch. Aus seinem Kopf wächst ein Ast. Oder zumindest sieht es so aus.

Dann die Selfies. NOCH SCHLIMMER! Die Sexy-Bewerber-Pinwand ist schon lange tot. Statt „Hall of Fame" gibt es jetzt "Hall of Shame". Fotocollagen, die ich Personalchefinnen mit Sinn für Humor maile. "Bewerber, die ich euch erspart hab"

"Die sind doch nicht echt, oder?!", haben die mich gefragt.

Doch! Schwöre!

Generell, es ist unfassbar, welche Fotos manche Bewerbungen zieren. Man öffnet den CV, guckt auf das Foto, „Jössas!“ und weiß in dem Moment „Burschi, des wird nix“. Ungerecht? - Ja! Absolut! 😉

Gutes Foto, halbe Miete

Einer meiner Schlüsselmomente als junge Personalberaterin war, als ich mal die Unterlagen eines Kandidaten an einen Kunden geschickt hab. Der Kandidat war top. Das Foto fürchterlich.

Mein Kunde: „Bitte schaut der deppert aus! So einen schiachen Krapfen stell i fix net ein.“

Das war´s dann.

Ab da hab ich BewerberInnen erst dann weitergeleitet, wenn sie ein gescheites Foto gebracht haben.

So, und Sie wollen jetzt sicher wissen, was das ist: Ein "gescheites" Foto.

Interview mit einer total berühmten, urguten Headhunterin zum Thema Bewerbungsfotos

Brauch ich überhaupt ein Bewerbungsfoto, Frau Schöffmann?

Kurze Antwort: Ja!

Lange Antwort: Stellen Sie sich einen Werbeprospekt ohne Foto vor. Oder: Würden Sie Jeans bestellen, die nicht abgebildet sind? Einen Mixer, ein Katzenklo oder auch nur eine Gartenschere um 6,90? - Nein, würden Sie nicht! Sie würden weiterscrollen zum nächsten Produkt mit Bild. Und in etwa dasselbe machen PersonalerInnen mit einem CV ohne Foto.

Und ja, stimmt, im angloamerikanischen Sprachraum sind Bewerbungsfotos nicht mehr üblich. Bei UNS aber SCHON!

Ausnahme 1: Wenn Sie IT-Expertin oder CNC´ler, Bilanzbuchhalter oder Personalverrechnerin oder sonst was sind, was der Arbeitsmarkt braucht wie einen Bissen Brot. Dann geht es auch ohne. Aber überall dort, wo ein paar mehr Bewerbungen einlangen, werden die ohne Fotos oft ausgesiebt.

Ausnahme 2: Im universitären Umfeld. Da setzen sich auch langsam die fotolosen Bewerbungen durch. Wokeness und so, Sie wissen schon 😉

Muss es ein Profifoto sein?

Kurze Antwort: Kommt drauf an 🙂

Lange Antwort: Das menschliche Gehirn ist so programmiert, dass der Blick immer als erstes auf das Foto eines menschlichen Gesichts fällt. Das ist so, wenn man eine Zeitung aufblättert. Und das ist so, wenn PersonalerInnen Ihren CV öffnen. Da passieren in Sekundenbruchteilen mehrere Entscheidungen: Sympathisch oder unsympathisch? Kompetent oder inkompetent? Passend oder unpassend? Der berühmte erste Eindruck. Bekanntlich nur sehr schwer zu korrigieren.

Deshalb: Wirkt das Foto unprofessionell, wirken SIE unprofessionell!
Unprofessionell wirken Fotos z.B., wenn sie pixelig bzw. unscharf sind. Aber auch, wenn sie ziemlich eindeutig aus einem nicht-beruflichen Kontext stammen.

Auf der sicheren Seite sind Sie mit einem Foto vom Profi. Und für Führungspositionen kommen Sie nicht mehr darum herum. Spätestens da passt ein Amateurfoto einfach nicht mehr.

Wie soll man dreinschauen auf dem Foto?

  1. Lächeln! Immer! Lächeln ist das wichtigste soziale Signal. Schon Babys kapieren das, weswegen das auch das erste soziale Signal ist, das sie beherrschen.
  2. Direkter Blick gerade in die Kamera! Nur so stellen Sie Kontakt zum Betrachter her.
  3. Schauen Sie nicht von unten rauf! Dadurch wirken Sie unterwürfig und inkompetent. Aber auch nicht zu sehr von oben herunter. Weil das wirkt überheblich.
  4. Halten Sie den Kopf nicht schief! Frauen tun das gerne. Sieht süß aus. Nimmt einem aber leider jede (fachliche) Autorität.

Was soll man anziehen?

Nichts Schwarzes. Keine wilden Muster, keine Holzfällerhemden, keine Tops, keine voluminösen Schals oder Tücher, keine tiefen Ausschnitte. Am besten einen Look, der zur angestrebten Position passt.

Dunkle Farben verleihen Autorität und Seriosität.

Helle Farben da wählen, wo es um Kontaktfähigkeit und Kommunikation geht.

Welcher Bildausschnitt? Welche Größe?

Schneiden Sie keine Teile des Kopfes ab. Z.B. für irgendwelche bescheuerten kreisrunden Bildausschnitte, wie man sie in manchen CV-Standardvorlagen findet.

Besser als Passfotos sind Brustbilder oder ein Foto, auf dem man den ganzen Oberkörper und die Hände sieht.

Und ja, size matters. Je weiter oben in der Nahrungskette desto größer darf/muss das Foto sein. Passfotogröße reicht beim Ferialpraktikanten. Beim Geschäftsführer schaut das popelig aus.

Profitipp: Wenn ich als Bewerbungscoach CVs optimiere, gleiche ich Über– bzw. Unterqualifizierung dezent mit dem Foto aus. Sprich: ist eine/-r eh schon überqualifiziert, mach ich das Foto ein wenig kleiner. Fehlt hingegen z.B. die gewünschte Führungserfahrung, blase ich das Foto auf.

Welcher Hintergrund ist optimal?

Viele Fotografen lieben dunkelgraue oder braune Hintergründe. Da steht dann der Kandidat im schwarzen Sakko vor dem anthrazitfarbenen Hintergrund. Schaut aus wie ein Bestattungsunternehmer. Fürchterlich!

Generell gilt, je älter Sie sind, desto mehr sollte der Hintergrund frisch und modern wirken, z.B. eine Glas-/Stahlfassade.

Perfekt sind Hintergründe, die zum Job passen. Die IT-Leiterin vor einem Serverraum, der Logistiker vor einem Container, die Bauingenieurin auf der Baustelle usw.
Gute FotografInnen erkennt man daran, dass ihnen mehr einfällt als nur die Fotoleinwand im Studio.

Sonst noch was?

Ja! Männer: IMMER frisch rasiert. Außer sie sehen aus wie ein 25-jähriges Unterwäschemodel. Dann geht auch ein 3-Tage-Bart. SONST NICHT! Weil Bartschatten wirken ungepflegt auf Bewerbungsfotos.

Männer, die den Zenit der Jugendlichkeit bereits überschritten haben: Krawatte aus der aktuellen Saison wählen! Nichts wirkt altmodischer als eine altmodische Krawatte. Dann lieber keine. In 99% der Fälle reicht eh Hemd und Sakko oder nur Hemd.

Kein Trachtenlook! Wirkt provinziell.

Keine Sonnenbrillen und keine Kopfbedeckungen!

Gleich eine ganze Fotoserie auf den CV? - Nein, bitte nicht! Außer Sie möchten gerne als selbstverliebter Gockel wahrgenommen werden.

Hot or Not?

Wenn ich Sie jetzt entgültig irre gemacht hab: Den Bewerbungsfotocheck gibt bei mir GRATIS!

Empfehlung für eine gute Fotografin? Die besten Bewerbungsfotos macht die Barbara Wirl. Guckst du www.wirlphoto.at

Ines Schöffmann

Headhunterin, Personalberaterin, Bewerbungscoach, Texterin