Das Sabine-Prinzip – So geht in eurem Recruiting die Sonne auf

Ein halbes Jahr lang hab ich IHN gesucht. Den Wunderwuzzi als Sales Manager für eine Maschinenbaubude. Mit technischer Ausbildung, Erfahrung, Reisebereitschaft.

Wenn Sie auch nur irgendwas mit Recruiting zu tun haben, wissen Sie: solche Leute sind urschwer zu finden.

Und, juchu! Gestern hat Herr Wunderwuzzi unterschrieben.

Jetzt könnt ich mir auf die Schulter klopfen. Best headhunter in town, usw. Aber ich verrate Ihnen, wer sich diesen Erfolg wirklich auf die Fahnen heften kann.

Sabine.

Sabine ist die Personalchefin von dem Laden und macht das Recruiting. Zusammen sind wir krass gut. Ich schlepp die Jungs an, sie tütet sie ein.
Ihre Trefferquote beim Eintüten ist beachtlich.

Wie macht die das bloß, werden Sie sich fragen.

Oiso: Kurz vor der Vertragsunterzeichnung ruf ich nochmal den Wunderwuzzi an. Die Fingerchen kalt und schwitzig vor Aufregung. Ob er eh zufrieden ist mit dem Angebot, ob alles passt … schleim, kriech, säusel …

Weil sicher ist in Zeiten wie diesen gar nix. Dass Kandidaten kurz vor oder nach der Unterschrift abspringen, ist das neue Normal.

Herr Wunderwuzzi: „Jojo, passt alles. I freu mi so. Die Personalchefin von denen ist Hammer. Alleine wegen der Sabine will ich da arbeiten. In 25 Jahren Berufspraxis hab ich noch nie so ein gutes Gefühl gehabt und nie derart herzliche, lockere Bewerbungsgespräche geführt.“

Guckst du! Und er ist noch nicht mal der erste, der das sagt. In all den Jahren hab ich nie negatives Feedback von BewerberInnen bekommen. NIE. NEVER EVER. Auch da, wo es mal nicht geklappt hat. Die Sabine haben alle gemocht.

Und weil sie die Sabine gemocht haben, haben sie die Firma gemocht.

Klar, natürlich auch deswegen, weil auch die anderen in der Firma a bissi wie Sabine sind. Herzlich. Offen. Bodenständig.

Vielleicht hat jede Firma die Personalchefin, die sie verdient. Oder Firmen mit so einer Personalchefin ziehen genau solche Leute an. - Wer weiß das schon so genau.

Henne und Ei halt.

Sonnenschein sticht Zwiderwurzn

Recruiter müssen zackig sein. Das hab ich ja schon in dem Raketenblog https://hr-schoeffmann.at/rakete/ geschrieben. Aber Sabine bringt mich zu einem weiteren Punkt, der darüber entscheidet wie erfolgreich euer Recruiting ist.

Dafür muss ich ein bissi ausholen.

Alle lieben BewerberInnen, die authentisch sind. Solche, die sich nicht hinter einer Fassade verstecken. Nicht unnahbar oder überheblich wirken, sondern herzlich, echt und offen.

So, und jetzt frag ich Sie: Ist das vielleicht andersrum GENAUSO? Dass KandidatInnen auch die herzlichen, echten, offenen PersonalerInnen lieben? Und die, die mit der coolen, professionellen Fassade unsympathisch finden?

– EBEN!

Manchmal frage ich mich, nach welchen Kriterien die HR´ler –vor allem in größeren Unternehmen- ausgesucht werden. Weil ganz unter uns: Recruiting ist KEINE Raketenwissenschaft. Dafür brauchst net zwingend jahrelange Erfahrung, kein Studium in Hiring Process Management oder den „Master in Employer Branding nach der Naturmethode“ vom Humboldt. Oder sonst einen Schas.

Im Recruiting muss man primär EIN NETTER MENSCH sein!

Best of Recruiting

Ins Recruiting nach dem Sabine-Prinzip gehören:

  • Herzliche, offene und bodenständige SympathieträgerInnen
  • Jungs und Mädels, die die Fähigkeit haben, schnell Beziehungen herzustellen
  • Diese geborenen GastgeberInnen, die gut darin sind, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, mit jedem reden können und
  • sich für andere Menschen interessieren und gerne netzwerken
  • Humor haben und Leute zum Lachen bringen können
  • Leute, die vertrauenswürdig und ehrlich wirken

Die Frage "Würde ich ihr/ihm einen Gebrauchwagen abkaufen?" halte ich in diesem Zusammenhang für ein ziemlich intelligentes Kriterium.
Und
Geht die Sonne auf, wenn er/sie den Raum betritt? - DAS sind die entscheidenden Fragen.

Worst of Recruiting

Wer hier nur Schaden anrichtet:

  • Verbiesterte Zicken und humorlose Zwiderwurzn
  • Bürokratische Schnarchnasen und Langeweiler
  • Dumpfbirnen, die nur zur Deko dienen
  • Überhebliche Großkotze und arrogante Schnepfen
  • Misstrauische Misanthropen

Die besten PersonalerInnen sind oft gar keine

Interessante Beobachtung: Viele der richtig guten PersonalerInnen kommen ursprünglich gar nicht aus dem HR. Sie kommen vielmehr aus dem Verkauf, der Kundenbetreuung, dem Marketing.

Darin steckt eine gewisse Logik.

Weil in Zeiten, in denen es nicht mehr primär ums Aussieben ungeeigneter BewerberInnen geht, sondern darum, die eigene Firma am umkämpften Bewerbermarkt zu verkaufen, braucht es richtig gute VerkäuferInnen.

Solche, die mit euren potentiellen Mitarbeiterinnen so umgehen, wie euer Vertrieb (hoffentlich!) mit potentiellen Kunden umgeht.

Die Erkenntnis, dass man sich um Talente bemühen muss, sickert inzwischen eh schon bei vielen Unternehmen durch. Und als nächstes die Erkenntnis, dass man dafür möglicherweise eine andere Art von RecruiterInnen braucht.

Ich bin jedenfalls voll happy, dass ich KundInnen wie die Sabine hab und dass es davon schön langsam immer mehr werden.